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Marugg + Imsand begleiten erfolgreiche Bio-Bergkäserei in Goms | zurück |
Beim Käse geht die Post ab
Gute Finanz- und Liquiditätsplanung ist alles andere als Käse. Im Gegenteil: Nachdem die finanzielle Basis stimmte, konnten 11 initiative Gommer Bio-Bauern loslegen. Mittlerweile sind sie in voller Fahrt. Das schafft Liquidität, Sicherheit, Arbeitsplätze und öffnet neue Absatzkanäle. Wir trafen Christoph Imsand, das finanzielle Gewissen der Bio-Bergkäserei in Gluringen.
 | Christoph Imsand Mitinhaber Treuhand Marugg + Imsand, Betriebsökonom HWV, dipl. Steuerexperte. Christoph Imsand spezialisierte sich in den vergangenen Jahren im Bereich des Controllings und des Steuerwesens. Dabei ist er als Berater für diverse regionale, nationale und internationale Unternehmungen tätig. Weiter engagiert er sich für die Aus- und Weiterbildung. So ist er u.a. an der Fernfachhochschule Schweiz und an der Swiss Tax Academy als Dozent und Experte tätig.
christoph.imsand@trmi.ch
www.trmi.ch |
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Die Briger Treuhänder Marugg + Imsand begleiten den erfolgreichen Kleinbetrieb seit dessen Gründung vor 10 Jahren. Zu uns stösst Roland Müller, Präsident der Bio-Bergkäserei Goms. Er berichtet von der Neugründung der Genossenschaft 1995 nach dem Untergang der Zentralkäserei Obergoms. Nach dem Konkurs wollten 45 Bauern zusammenstehen und eine gemischte Molkerei aus IP- und Bioproduzenten gründen. Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW gab jedoch nur grünes Licht für einen reine Biokäserei, weshalb die Genossenschaft heute aus 11 Biobauern besteht, die zu Beginn 600’000 kg Milch produzierten und verarbeiteten.
Initiative brachte den Durchbruch
Dass die Milchwirtschaft im Berggebiet unter Druck ist, ist allgemein bekannt. Die Schweiz verliert zunehmend ihren Inselstatus in Europa, und damit ist der Milchmarkt in Zusammenhang mit den Entwicklungen in der EU zu betrachten. Milchverarbeiter sind daran interessiert, Milch zu günstigen Konditionen, sprich tieferem Preis und geringerem logistischem Aufwand, zu kaufen. Hier werden sich die Wettbewerbsnachteile der Berglandwirtschaft auswirken und können der Milchproduktion nach Aufhebung der Milchkontingentierung den Todesstoss versetzen.
Die Milchmengen der einzelnen Landwirte und der Käsereigenossenschaften sind im Gegensatz zum Talgebiet gering und die Transportkosten fernab der Hauptverkehrachsen erheblich höher. Gleichzeitig liegen die Produktionskosten im Berggebiet durch Klima (verkürzte Vegetationsperiode) und Geländerelief (teure Maschinen, viel Handarbeit) höher.
Die Mitglieder der Bio-Bergkäserei Goms haben sich dieser Herausforderung gestellt. Sie waren nicht bereit, die Milchproduktion aufzugeben, und haben neue Absatzwege und Produktionsformen gesucht und gefunden.
Mit voller Kraft voraus
Roland Müller erinnert sich an den Start: «Die Genossenschaft besteht aus 11 Bauernfamilien. Biobetriebe, die zum Teil bereits seit 1985 die Bioknospe haben. Alles moderne Vollerwerbsbetriebe in folgenden Gemeinden: Ulrichen 3, Geschinen 3, Münster 1, Gluringen 2, Ritzingen und Biel je 1. Mit einem Milchkontingent von 700’00 kg Milch/Jahr haben sie den Schritt gewagt, eine eigenen Käserei auf die Beine zu stellen. Diese 11 Bauern waren bereit, die Subventionsbedingungen des Bundesamtes für Landwirtschaft zu erfüllen, nämlich ihren Betrieb auf Bio umzustellen.
Der Start der Bio-Bergkäserei Goms am 8. Januar 2001 mit mehr als 3’000 kg Milch täglich bis zur Alpfahrt anfangs Juli verlangte vom Betriebsleiterpaar Marianne und Gerhard Zürcher viel. Mit unermüdlichem Einsatz haben sie es geschafft, sich durch alle anfänglichen Hürden hinwegzusetzen. Unser Käse, der Biogomser 11 erreicht in den Käseübernahmen von Alpgold regelmässig Spitzenwerke. Ein Resultat, auf das man zufrieden schauen kann, denn Käseproduktion ist ein täglicher Qualitätskampf von der einzelnen Kuh des Bauern bis zur Reifung des Käses.»
Solides finanzielles Fundament
Ebenso viel Kraft brachte auch die Finanzierung von total 2,1 Millionen Franken. Neben 980’000 Franken Subventionen und Berghilfe sowie 910’000 Franken an Krediten brachten die 11 Bio-Bauern selber 260’000 Franken auf. Finanz- und Investitionsplan- sowie Betriebskonzept bildeten die Grundlagen zur Finanzierung. «Es ist ein Betrieb, der von hoher Eigeninitiative lebt, vom persönlichen Einsatz des Käsers mit Lehrling und vier Bauernfrauen, die sich im Käsereiladen abwechseln, sowie einem feinen Gespür fürs Marketing», bringt’s Christoph Imsand auf den Punkt.
Marketingblut in den Adern
Die Gommer vermarkten ihren feinen Käse meisterhaft. Von den Bio-Bauern könnte sich so mancher Marketing-Profi eine grosse Scheibe abschneiden. Marketinggerecht nahm die Bio-Bergkäserei das Wahrzeichen, den kräftigen Säumer Weger Baschi, der selbst sein Pferd über Baumstämme trägt, in ihr Sortiment als Baschi- (800 g) und Bascheli- (300 g) Mutschli auf. Da die Gäste ein positives Erlebnis – ihren Urlaub – mit dem Produkt verbinden, bekräftigen sie mit dem Kauf des Mutschli ihren Wunsch nach Verbundenheit mit der Region.
Diese positive Weiterentwicklung begleiten die Treuhänder aus Brig Schritt für Schritt und sorgen dafür, dass Klarheit bei Verträgen, Abschlüssen, Steuern und laufender Finanzplanung herrscht. «Uns gefällt, wie unser Berater Christoph Imsand all diese Details an der GV jeweils transparent und gut verständlich präsentiert, denn unser Metier sind Stall und Kühe», lobt Roland Müller.
Der Mehrwert wächst
Heute verarbeitet die Biokäserei rund 1 Mio. Liter Milch im Jahr, den grössern Anteil naturgemäss im Winter. Zu gut 60% wird der Bio-Käse über die regionale Käsevermarkterin Alpgold in Siders abgesetzt. Man findet einen Teil der Köstlichkeiten, die neuerdings auch mit Bergkräutern oder Safran veredelt werden, als Pro Montagna-Produkte im Coop-Regal. Noch interessanter ist der steigende Anteil der Direktverkäufe ab Käsereiladen und Internet. «Wir haben richtiggehend Freude: Da geht die Post ab», strahlt Roland Müller. «Unsere Idee trägt Früchte. Sie hat die Milchverarbeitung im Goms gesichert und Arbeitsplätze geschaffen. Dank der geschickten Beratung nutzten wir die entstandene Liquidität fürs Marketing. Die Kredite sind geschrumpft, die Erträge wachsen. Neue Investitionen und Ersatzanschaffungen können eigenfinanziert werden. Und marketingsmässig haben wir bereits weitere Pfeile im Köcher», schmunzelt Roland Müller. Welche? – Vorderhand bleibt es noch ein Geheimnis. Aber wer die «heimlifeissen» Gommer kennt, freut sich schon jetzt auf eine saftige Überraschung.
Interviews: Dr. Hans Balmer Artikel als PDF
| Datum: | 29.10.2010 | | Business News Ausgabe: | 2010/3 | | Rubrik: | | | Mitglied: | |
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