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Business News
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60 Jahre Bättig Treuhand (2. Teil): Wir brauchen einen Turn-around im Bewusstsein! | zurück |
Vom Wachstum – und vom Loslassen
Wir leben in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft, die prioritär geld- und güterorientiert materielles Wachstum anstrebt. Die offenen Märkte bestimmen das Tempo und das Preisniveau. Wir leben zusammen mit Menschen, die unterschiedliche Moralvorstellungen haben und unterschiedliche Lebensziele verfolgen. Bei so vielen Zielkonflikten ist nicht zu verhindern, dass Interessen aufeinanderprallen. Und wenn gleichzeitig die Wirtschaft und Wissenschaft zur Bildung oligopolähnlicher Strukturen mit ihren kartellähnlichen Missbräuchen tendieren und die Transparenz fehlt, leidet das Vertrauen oder geht gänzlich verloren – nicht nur in die Wirtschaftsführer, sondern ebenso in die Politiker und Verwaltung.
 | Kurt Bättig Dr. oec., Wirtschaftsjurist HSG / eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer, Inhaber der Bättig Treuhand AG, verfügt über umfangreiche Erfahrungen
in der Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberatung. Kurt Bättig sammelte seine Erfahrungen als Teilzeitverwaltungsrat in diversen
Unternehmen , u.a. auch in einer börsenkotierten Gesellschaft.
kurt.baettig@baettig.ch
www.baettig.ch |
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Wir kreieren eine Gesellschaft, in welcher nur noch mit einer Flut von Gesetzen und Verordnungen die schlimmsten Auswüchse verhindert werden können. Dieser Zustand unserer Gesellschaft ist das Resultat des kollektiven Denkens (Bewusstseins) und basiert hauptsächlich auf Mangeldenken (wie Gier, Neid, Missgunst, Kampf etc.). Das Potenzial unseres Bewusstseins ist aber um ein Vielfaches grösser und echter unternehmerischer Geist drückt sich positiv und überzeugend aus. Er pflegt einen liebevollen Umgang mit allen Beteiligten (Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, Geldgebern, der Umwelt etc.) und hat den Mut, zu neuen Horizonten aufzubrechen und aus dem Hamsterrad negativer Gewohnheiten auszubrechen.
Erkennen und Hinterfragen
Erst das Erkennen und Hinterfragen solcher Gewohnheiten wird unseren gestressten Rhythmus entspannen und jenen unternehmerischen Spirit wecken, der aus Gegnern Partner macht – Partner mit unterschiedlichen Fähigkeiten und gemeinsamen Zielen. Dazu interviewten wir Dr. Kurt Bättig.
Herr Bättig, im letzten Artikel sprachen wir über Bäume und Wachstum. Geht es auch in Zukunft immer so weiter?
Es geht immer weiter. Die entscheidende Fragestellung ist jedoch nicht ob, sondern wie es weiter geht. Ein junger Baum, eine junge Wirtschaft oder ein junges Unternehmen wachsen, haben jedoch unterschiedliche Wachstumsziele im Vergleich zu Arrivierten. Ein junges Unternehmen wächst zunächst wie ein junger Baum – in den Wurzeln. Es orientiert sich am Markt.
Gestandenen Unternehmen mangelt es hingegen oftmals an guten neuen Produkten und Innovation. Sie zehren von den Leistungen der Vergangenheit. Diese Firmen machen sich häufig breit und vergessen, das mühsame Geschäft in den Nischen zu pflegen. Sie trocknen deshalb in ihrer Dynamik und Ausstrahlung aus.
Mangel und Potenzial sind unsere steten Begleiter. Ein Student sitzt in der Regel viel hinter den Büchern und hat wenig Geld. Dann bekommt er seinen ersten Job und damit Geld, doch jetzt fehlt ihm die Zeit. Und je mehr er verdient, desto weniger Zeit bleibt ihm. Wenn er auch noch im Aussen investiert, ein tolles Auto und Familie hat, läuft ihm die Zeit noch mehr davon.
Zeit wofür?
Für das Wesentliche, für das was hinter dem Ganzen steckt: Ideen, Visionen, Zusammenhänge – für Spirit! Dort wo wir investieren, wo wir uns einbringen, wächst unser Leben. Erfolgreiche Menschen investieren meist viel Zeit und Energie in ihre Ideen und Projekte.
Wir haben gelernt, erschaffen und sind gewachsen. Geht auch das immer so weiter?
In der Regel ja. Wenn wir schwimmen gelernt haben, wollen wir auch tauchen lernen. Wenn wir beides können, macht etwas Neues noch mehr Spass. Durch Repetition und Übung kommt die Erfahrung und die Fähigkeiten werden vertieft und stabilisiert.
Mittelmass und Kompromisse – unvermeidlich?
Und warum kommt mit der Zeit das Mittelmass, der Kompromiss?
Eine lebendige, funktionierende Mitte ist nichts Statisches und schon gar nichts Negatives! Wenn sie einen Baum betrachten, ist der Stamm die Mitte. Er verbindet die Wurzeln mit der Krone. Von unten steigt der Saft nach oben, weiter in die Blätter und Früchte. Und dies geschieht in Zyklen. Es wiederholt sich Jahr für Jahr.
Immer das gleiche. Langweilig, oder?
Wenn wir natürlich wachsen, erkennen wir, dass nicht nur wir wachsen und gedeihen, sondern auch unser Umfeld. Rivalität und Alleingang sind das Resultat einer eingeengten Sichtweise. Ein Baum steht immer in einem Umfeld, das sich seinerseits weiter entwickelt. Es geht hier nicht um den Mittelweg, sondern vielmehr um die Mitte selbst! Sie schafft es, Extreme auszubalancieren, verbindet Gegenpole – z.B. des Innen und des Aussen. Folglich ist das Finden der Mitte nicht das Ziel, sondern die Voraussetzung. Das Ziel ist und bleibt Wachstum.
Und zwar überall: In den Wurzeln und der Krone – Wachstum integriert. Wenn ein Unternehmen nur im Aussen wächst oder nur in der isolierten Entwicklung von neuen Produkten, ohne die Berücksichtigung der Bedürfnisse des Marktes, also isoliert, nicht verbunden, dann verliert sich der Sinn dieses Unternehmens und der Erfolg geht verloren. Das reine Mengengeschäft macht uns ohnehin abhängig.
Wir wollen jedoch Freiheit und nicht Abhängigkeit. Und das erfordert mehr. Gefragt ist integriertes Wachstum – Wachstum in Balance! Letztlich eine Technik der Natur. Die Natur gibt nichts den Vorrang, sie probiert aus und sorgt für die Balance zugunsten des Fortbestehens und damit des Lebens – des Lebens in Vielfalt.
Wachsen und gleichzeitig loslassen?
Sie sprechen von Wachstum und Loslassen. Was müssen wir denn loslassen?
Wachstum und Loslassen sind zwei unterschiedliche Aspekte derselben Sache. Wie die beiden Seiten einer Münze.
Der Baum wächst im Frühling besonders stark in die Höhe und im Herbst lässt er die Blätter los. Er wächst sozusagen wieder zurück. Es gibt sogar Pflanzen, die sich gänzlich, d.h. mit der letzten Faser in die Erde zurückbilden, aus der sie gewachsen sind.
Und wie funktionieren die sogenannten Affenfallen?
In Indonesien fangen die Ureinwohner Affen, indem sie in eine kleine Holzkiste ein rundes Loch von der Grösse einer Affenfaust schneiden. In die Kiste legen sie dann etwas für die Affen Wohlschmeckendes, z.B. eine reife Mango. Sie hängen die Kiste an eine Schnur und binden diese an einem Baum fest. Der Affe greift in die Kiste und will die Mango aus der Kiste ziehen. Weil die Hand mit der umschlungenen Mango nicht mehr durch das Loch passt und weil der Affe die Frucht nicht loslassen will oder kann, bleibt er an der Kiste hängen, und kann leicht eingefangen werden. Würde er die Mango loslassen, wäre er augenblicklich frei.
Warum lässt er die Mango nicht einfach los?
Interessant, nicht wahr? Das erinnert uns an so vieles aus unserem Kulturbereich. Das ist so, als ob ein Baum im Herbst alles tun würde, um die Blätter zu behalten. Wir sträuben uns gegen vieles, das längst einer Änderung bedarf. Sie kennen das. Und das Resultat kennen wir auch. So wie unser Körper nicht lügen kann, so werden unsere Handlungen immer exakt Ausdruck dessen sein, was wir sind. Und nicht von dem, was wir meinen oder vorgeben zu sein. Es ist, als ob wir mit verschiedenen Massstäben einen Raum ausmessen und jeder gelangt zu einem anderen Resultat. Und entsprechend handelt eben auch jeder unterschiedlich. Nicht jeder kann gleich gut angreifen oder wachsen, integrieren oder eben loslassen.
Loslassen lernen
Sie beraten Unternehmen bei der Nachfolgeregelung: Auch eine Frage des Loslassens?
Und ob!
Und was ist das zentrale Problem, damit die Nachfolge gelingt?
Der abtretende Unternehmer muss loslassen und das Unternehmen voller Vertrauen seinem Nachfolger übergeben.
Und die Nachfolger, was müssen sie richtig machen?
Die Nachfolger sollen dem Patron Wertschätzung entgegenbringen. Ohne die Bereitschaft ihres Vorgängers hätten sie diese Firma, die erfolgreich tätig ist, ja gar nicht übernehmen können.
So einfach ist das?
Ja, so einfach wäre das. Die Realität zeigt jedoch oft ein anderes Bild.
Welches?
Der abtretende Patron kann oft nicht schnell und konsequent genug loslassen. Er war viele Jahre der Erste am Morgen und am Abend der Letzte in der Firma.
Die Realität sehen und in ihrer ganzen Tragweite annehmen
Und fürs Loslassen können Sie ihm helfen?
Es geht zunächst einmal darum, die Realität zu sehen und in ihrer ganzen Tragweite anzunehmen. Es geht ja immer um beide Seiten. Auch die Nachfolger machen diesen Sprung in eine neue, oft grössere Verantwortung. Und auch sie müssen sich entwickeln und alte Verhaltensmuster loslassen.
Gibt es andere Formen des Loslassens?
Der (arrivierte) Unternehmer soll grosszügig sein, dann sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, wie z.B.:
- Auszahlen von Boni an engagierte und treue Mitarbeiter
- Unterstützen von Projekten und Start-ups
- Vergabungen und Schenkungen machen
- Ausrichten von Förder- und Innovationspreisen
- Ausrichten von Erbvorbezügen und Legaten
- Begünstigungen über die Säulen 2a, 2b und 3b planen
- Testamentarische oder ehegüterrechtliche Willenserklärungen vornehmen
- Errichten von Stiftungen
- Und vieles mehr…
Recht herzlichen Dank für das Interview.
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| Datum: | 24.05.2012 | | Business News Ausgabe: | 2012/2 | | Rubrik: | | | Mitglied: | |
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