Aufbau und Konsolidierung – klares Ziel verfolgen! | zurück |
Balance für Geld und GeistIn den Königshäusern wurde man früher quasi schon als Monarch geboren. Gemäss Tradition war vorgegeben, wer den Thron dereinst besteigen durfte. Ähnlich war es bis Mitte des letzten Jahrhunderts auch im schweizerischen Unternehmertum. Heute wird jemand aber nur noch selten in der Vorbestimmung, dereinst Unternehmer zu werden, geboren. Vielfach sind es Zufälligkeiten, die dazu führen. Der klassische Unternehmer managt den Betrieb nicht nur, sondern ist auch gleichzeitig Haupteigenkapitalgeber/-in. Dass diese beiden Funktionen zusammenfallen, wird in Zukunft jedoch seltener. Unternehmerpersönlichkeiten werden künftig mehr auf «Mitfinanzierer» angewiesen sein. Dies wird grundlegende Änderungen in Nachfolgefinanzierungen zur Folge haben.  | Tony Z’graggen dipl. Steuerexperte, begleitet seit über 20 Jahren Unternehmerinnen und Unternehmer bei Geschäftsübergabeprozessen. In der Abklärungsphase analysiert er den Handlungsbedarf auf Stufe Unternehmung sowie die private Situation. Daraus abgeleitet erarbeitet er massgeschneiderte Massnahmenpakete für beide Stufen. Dabei werden vielfach auch Instrumente der beruflichen Vorsorge überprüft, um den Unternehmenswert gezielt zu senken und so eine schnellere finanzielle Unabhängigkeit vom Betrieb zu erreichen.
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Der Schritt zum Unternehmer ist mit vielen persönlichen Veränderungen verbunden. Meist geht damit auch ein Funktionswechsel in der Arbeit einher. Statt Fachaufgaben sind neu vermehrt eigentliche Managementaufgaben bzw. Führungsaufgaben zu erledigen. Somit steigt meist auch das zeitliche Engagement. Der Alltag lässt sich nicht mehr so leicht in Geschäft oder Privat aufteilen. Die Aufgaben fliessen ineinander, beispielsweise im Bereich von Akquisitionsaufgaben. Der Unternehmer engagiert sich zudem auch finanziell sehr stark. Vielfach setzt er das gesamte Privatvermögen unternehmerischen Risiken aus. Zusätzlich muss er sich meist auch privat verschulden. Eine künftige Vermögensbildung im Privatbereich erscheint ihm zu diesem Zeitpunkt fast unmöglich.
Weiter wird er von seinem Umfeld nun als «andere» Person wahrgenommen. Gegen-über den früheren Mitarbeiterkollegen gilt es eventuell, sich plötzlich als Chef durchzusetzen, respektive die Anerkennung/Autorität zu erhalten. Bei der Geschäftskundschaft ist er jetzt die Hauptansprechperson. In privaten Kreisen wird er von einem Tag auf den anderen zur so genannten Unternehmergilde gezählt. Vielleicht weht ihm unvermittelt auch ein gewisser Neid entgegen. Viele fähige Jungunternehmer tun sich mit diesem Rollentausch oder einzelnen Punkten davon schwer. Damit die frischen Kräfte mittelfristig erfolgreich sind, müssen sie sich jedoch diesen Herausforderungen stellen.
Die Übernahme der Unternehmensführung
Die Unternehmensführung erfordert unter Umständen Kenntnisse und Eigenschaften, die man nicht oder nur ungenügend besitzt. Dieses Vakuum kann auf zwei Arten aufgefüllt werden. Die vielfach effizienteste Methode ist, dass man sich die fehlenden Eigenschaften «on the job» oder mit Hilfe von Fachkursen
aneignet. Oder man zieht für einzelne Themen Drittpersonen bei.
Meist ist eine Kombination beider Massnahmen sinnvoll. Für spezifische Bereiche wie beispielsweise Steuerberatung, Rechtsberatung usw. engagiert man vorzugsweise externe Berater. Dabei sollte man jedoch darauf achten, die Grundelemente zu kennen. Dies wird insbesondere in einer späteren Phase hilfreich sein. Für eigentliche Geschäftsführungsauf-gaben wie beispielsweise Personalführung, Akquisition usw. sollte sich der Unternehmer soweit als möglich «on the job» und/oder mit Hilfe von Kursen selbst auf «Vordermann» bringen. Welches Mass und welche Aufteilung im einzelnen Fall sinnvoll ist, hängt stark
von der jeweiligen Branche, der Grösse des Betriebs und den Vorkenntnissen ab. Es empfiehlt sich in jedem Fall, frühzeitig ein Aus- und Weiterbildungsprogramm auszuarbeiten.
Die private finanzielle Absicherung
Der Start als Unternehmer erfordert meist ein hohes finanzielles Engagement. Oft muss man sich zusätzlich privat verschulden und hat ergänzende Sicherheiten abzugeben. Dies kann zu massiven privaten Problemen führen, wenn die Gewinne sich nicht wie budgetiert einstellen oder ein persönliches Ereignis wie Todesfall, Invalidität, Scheidung usw. eintritt.
Gegen solch drohende Ereignisse muss man sich wappnen. Die konkreten Massnahmen hängen stark von der einzelnen Privatsituation ab. Insbesondere wenn man verheiratet ist und Nachkommen da sind, ist diesem Punkt grosse Beachtung zu schenken. In der Startphase ist im privaten Bereich deshalb das Schwergewicht auf die Absicherung von Risiken wie Tod und Invalidität zu legen.
Die anzustrebende Konsolidierung
Die Konzentration auf das eigene Unternehmen in zeitlicher und finanzieller Hinsicht ist zu Beginn unerlässlich. Ein erfolgreicher Unternehmer ist eben mit Leib und Seele Unternehmer. Mittelfristig muss man jedoch wieder ein Gleichgewicht finden, damit die Persönlichkeit nicht innert kurzer Zeit ausbrennt. Dies wird vielen «Jungunternehmern» vielfach erst nach einer regelrechten Erschöpfungsphase bewusst. Doch dann ist es vielleicht zu spät.
Mittelfristig ist aber auch wieder eine Balance betreffend finanziellem Engagement zu erreichen. Konkret: Die bisher privat abgesicherte Situation muss durch einen privaten Vermögensaufbau abgelöst werden. Spätestens ab Alter 50 sollte das Vermögen im privaten Bereich wachsen.
Das Resultat der Konsolidierung
Bis zur Halbzeit der persönlichen Unternehmerkarriere sollte eine gewisse Konsolidierung in den beiden Bereichen Unternehmensführung und Unternehmensfinanzierung stattgefunden haben. Dies ist dann der Fall, wenn der Unternehmer zwei Fragen mit Ja beantworten kann:
- Funktioniert die Geschäftsführung auch, wenn ich mal drei bis vier Wochen nicht im Unternehmen präsent bin?
- Bin ich vermögens- und vorsorgemässig nicht mehr vollständig auf den Betrieb angewiesen?
Diese beiden Fragen sollte man sich ab Alter 50 periodisch stellen. Droht bei einer oder sogar beiden Fragen ein Nein als Antwort, ist dringend zu handeln!
Die Vorteile der beruflichen Vorsorge
Insbesondere für den Teil «vermögensmässiges Gleichgewicht» ist die berufliche Vorsorge bzw. ein zugeschnittenes Pensions-kassenmodell ein nützliches Instrument. Zunächst geht es in erster Linie darum, die grössten Risiken abzudecken. Darum ist darauf zu achten, dass dies vor allem im Pensionskassenmodell und im versicherten Lohn erreicht werden kann. In dieser Phase macht es auch kaum Sinn, eine eigentliche Vorsorgeoptimierung oder Steuerplanung via Vermögensbildung in der Pensionskasse zu betreiben. Hier liegt das Schwergewicht eindeutig auf der Risikoabsicherung. In einer späteren Phase wird das Pensionskassenmodell bezüglich Vermögensaufbau hingegen sehr wichtig. Es kann dazu dienen, eine vernünftige private Vermögensbildung zu betreiben, und dies erst noch steuerprivilegiert! Weiter wird vielfach zu wenig beachtet, dass das Pensionskassenvermögen auch andere Vorteile wie beispielsweise absoluter Vermögensschutz bei Konkursfällen, absolute Vorsorge für den Ehepartner usw. hat.
Deshalb ist es empfehlenswert, in dieser Konsolidierungsphase auch die geltenden Pensionskassenmodelle auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Eine Pensionskassenlösung, die in der Startphase für die Risikoabdeckung ideal war, ist selten das beste Modell für optimales Vorsorgesparen. Hier sind hohes Fachwissen und Kreativität gefragt. | Datum: | 19.05.2008 | | Business News Ausgabe: | 2008/2 | | Rubrik: | | | Mitglied: | |
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